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Während ihrer Semesterferien im Sommer 2005 reiste Sonja quer durch den australischen Kontinent. Neben faszinierenden Landschaften und freundlichen Australiern, gehörten auch das „Woofing“ und das Häuten von Krokodilen zu ihrem Abenteuer.
Einladung zur Hochzeit
„Eine Freundin von mir heiratete in Perth, Australien - und ich war eingeladen. Eigentlich wollte sie nur für ein Jahr Australien bereisen, doch alles kam anders: Sie verliebte sich nach sechs Monaten und heiratete nach weiteren sechs. Das Land der Koalas und Kängurus sollte von da an ihr neues Zuhause sein.“ Sonja freute sich riesig über die Einladung zur Hochzeit, sie war noch nie zuvor auf dem roten Kontinent gewesen. Da die Flüge sehr teuer waren, lohnte es sich nicht, nur zwei Wochen bei ihrer Freundin zu bleiben. So entschied sich Sonja für einen sechswöchigen Aufenthalt, bei dem sie quer durchs Land reisen wollte. Der Plan sah vor, dass Sonja zunächst nach Perth fliegt, dort zwei Wochen bleibt und dann anschließend die australische Westküste entlang reist. „Ich hatte mich für das Programm WWOOF angemeldet. Man bereist verschiedene Städte und Dörfer und arbeitet auf Farmen, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen – wie Work and Travel.“ Sonja meldete sich im Internet für das „Woofing“ an und kaufte sich ein Buch über Farmen in Australien, in dem sie sich bereits vor Reiseantritt eine mögliche Reiseroute ausguckte.
Auf nach Perth!
Nachdem Sonja ihr beantragtes Visum noch rechtzeitig bekommen hatte, ging es Anfang August, mit viertägigem Zwischenstopp in Bangkok, mit dem Flieger nach Australien. In Perth angekommen, war sie erstaunt, wie sauber alles war, vor allem im direkten Vergleich zu Bangkok. „Ich kam von der recht dreckigen, überfüllten und grauen Stadt Bangkok nach Perth, in der mich ein blauer klarer Himmel, frische Luft und eine sonnigen Atmosphäre begrüßte.“ Zwei Wochen verbrachte Sonja in Perth, wo sie ihrer Freundin zunächst bei den Hochzeitsvorbereitungen half. Sonja war die einzige Bekannte, die aus Deutschland angereist war - für viele ist ein solcher Trip schwer zu finanzieren. „Ich lebte in dem Haus, das meiner Freundin und ihrem Zukünftigen gehörte. Alle um mich herum waren sehr gastfreundlich. Ich muss gestehen, die ersten Tage war ich sehr beschäftigt und konnte mir kaum etwas ansehen.“ Nach der Hochzeit wurde es ein wenig ruhiger und Sonja konnte endlich das saubere und sonnige Perth genießen. „Zu diesem Zeitpunkt war in Australien Winter mit 15 bis 20°C. Während hier, lustigerweise, die Einheimischen mit Schals herumliefen, erfreute ich mich an den recht milden Temperaturen.“
Backpacker
Als Sonja rund um Perth alles erkundet hatte, hat sie eine Backpacker Tour gebucht: Busse fahren bestimmte Routen quer durch den Kontinent, wobei die Touristen an die gewünschten Zielorte transportiert werden und nebenbei Sightseeing machen können. „Bei den Bustouren habe ich schon viele interessante Sachen gesehen: Küsten, Strände, Nationalparks und atemberaubende Landschaften. Wenige Tage bevor ich die Backpacker Tour mitmachte, rief ich auf einer Farm in Calberry an, die Arbeit und auch eine Unterkunft für mich hatten. Also hieß es auf der Backpacker Tour für mich: Ausstieg in Calberry."
Woofing
„Meine erste Farm war 500 Kilometer von Perth entfernt.“ Der Aufenthalt hatte jedoch wenig mit dem Arbeiten auf einer Farm zu tun, viel mehr waren Sonjas handwerkliche Tätigkeiten gefragt. Ihre Gastfamilie war nämlich erst gerade dabei ein Haus zu bauen und so gehörten zu ihren Aufgaben, einen Garten für die Familie anzulegen und die Scheune aufzuräumen. „Gewohnt habe ich in einem Wohnwagen zusammen mit der Familie, die sehr nett war.“ Nach einer Woche in Calberry stieg Sonja wieder in den Backpacker Bus.
Das nächste Ziel hieß Carnarvon. Hier gab es viel zu tun: „Ich musste streichen und mich um Kleinigkeiten kümmern. Leider waren die Leute dort sehr reserviert, so dass ich ziemlich schnell wieder abreiste.“ Nach diesen zwei Wochen körperlicher Arbeit blieb Sonja zunächst ein paar Tage in einem Backpacker Hostel in Coral Bay. Hier konnte sie kurz abschalten und ihren Aufenthalt genießen. „Schnorcheln und Tauchen sind in Australien besonders schön und in jedem Fall empfehlenswert.“
In Broome wartete dann schon das nächste Backpacker Hostel auf sie. Oftmals wich Sonja auf die Hostels aus, weil die Quartiere auf Farmen ausgebucht waren, sie aber trotzdem in den Städten einen Stopp einlegen wollte. „Die Unterkünfte mussten wir natürlich bezahlen. Wir waren immer zu acht oder zehnt auf einem Zimmer und mussten uns selbst verpflegen, wie in Jugendherbergen. Das Arbeiten auf den Farmen fand ich ebenso faszinierend, wie die aufregenden Aufenthalte in den Backpacker Hostels.“
Und dann endlich kam die Arbeit, die Sonja sich so sehr wünschte. Sie konnte als letzte Station ihrer Reise auf eine Krokodilfarm. „Diese Woche war auf jeden Fall das Highlight meiner Australientour. Ich bin immer noch begeistert, wenn ich an das Arbeiten mit den gewaltigen Tieren zurückdenke.“ Zusammen mit einer „Woofing“ - Teilnehmerin aus Amsterdam mussten sie morgens zunächst die Krokodilbecken mit einem Hochdruckreiniger säubern, die Tiere füttern und anschließend kleine, tote Krokodile häuten. In Australien gibt es nur noch circa 15 Krokodilfarmen, wovon diejenige, die Sonja besuchte, mit 3000 Tieren zu den eher kleineren gehörte. Das Züchten der großen Kolosse diente der Fleisch- und Lederproduktion.
Außerdem war Sonja für die Garten- und Hausarbeit auf der Farm zuständig. „Das Haustier der Familie war ein Känguru. Anfangs fand ich es noch süß, bis es mich einmal gebissen hat.“ Auch auf dieser Farm hatte sie nur wenig freie Zeit, doch wenn nichts zu tun war, ging Sonja angeln.
Eindrücke
Nach der Woche auf der Krokodilfarm neigte sich Sonjas Abenteuer in Australien dem Ende zu. Sie nahm in Darwin den Flieger nach Perth, um von dort aus in Richtung Heimat zu fliegen. „Australien war wirklich fantastisch und ist mit Worten kaum zu beschreiben. Ich habe selten zuvor so schöne Landschaften und Küsten gesehen. Schade ist bloß, dass vieles mittlerweile sehr touristisch ist. Australien ist ja unter Reisenden momentan sehr gefragt. Besonders sinnvoll finde ich eine Work and Travel Tour, in meinem Fall Woofing, weil man eigenständig entscheiden kann wo man sich aufhält, nebenbei Geld verdient, Land und Leute kennen lernt und doch nie ganz auf sich alleine gestellt ist.“
Von Julia von der Heyden